Familienfreundlichkeit bringt’s – warum ein Investment in eine gute Vereinbarkeit jedenfalls lohnend ist
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Familienfreundlichkeit bringt’s – warum ein Investment in eine gute Vereinbarkeit jedenfalls lohnend ist

Immer mehr Unternehmen setzen Maßnahmen, um ihren Beschäftigten und Führungskräften eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen. Die Palette ist dabei groß. Von flexiblen Arbeitszeiten, über Home Office, tageweise Kinderbetreuung, Ferienbetreuung bis zu einem umfassenden, professionellen Karenzmanagement reichen die Aktivitäten und Angebote. Aber ist dies nur Marketing? Soziale Romantik? Oder steckt mehr dahinter?

Die Antwort ist einfach: Weil Unternehmen gleichermaßen davon profitieren. Hier sind ein paar Gründe, warum Investitionen in eine gute Vereinbarkeit Sinn machen.

1.) Familienfreundliche Betriebe sind attraktiver

Egal, welche Befragungen von Absolventen verschiedener höherer Schulen und Universitäten man ansieht, eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie steht bei fast allen ganz oben auf der Liste der attraktiven Faktoren. In einer großen Befragung von 1.000 unselbständig Erwerbstätigen im Jahr 2014 gaben gar 9 von 10 an, dass Familienfreundlichkeit ein „sehr wichtiges“ oder „wichtiges“ Kriterium bei der Auswahl eines Arbeitgebers ist.

2.) Familienfreundliche Betriebe haben weniger Fehlzeiten

Gerade eine Kennzahl wie Fehlzeiten ist nicht leicht zu analysieren. Gibt es doch zahlreiche Faktoren, die diese beeinflussen. So ist es schwer, zu sagen, wie sehr sich Familienfreundlichkeit direkt auf die Fehlzeiten auswirkt.

Eine Studie im Jahr 2012 hat dies methodisch geschafft. Dabei wurden 411 österreichische Betriebe in einem Punktesystem für Familienfreundlichkeit bewertet. Dann wurden die Unternehmen, die jeweils am besten und am schlechtesten – die familienfreundlichsten und familienunfreundlichsten – mit dem Durchschnitt der untersuchten Betriebe verglichen. Die Ergebnisse waren eindeutig: Die familienfreundlichen Betriebe hatten um 23% weniger krankheitsbedingte Fehltage als der Durchschnitt, die wenig familienfreundlichen um 19% mehr. Eine Abweichung, die sich nicht statistisch nicht mehr durch Zufall erklären lässt. Konkret lag der Unterschied bei den untersuchten Betrieben bei 2,89 Personentagen pro Jahr.

3.) Familienfreundliche Betriebe haben weniger Fluktuation

Auch Fluktuation ist eine schwierige Kennzahl. Die oben genannte Untersuchung hat aber auch hier zu Tage gebracht, dass familienfreundliche Betriebe um 10% (Prozent, nicht Prozentpunkte!) weniger Fluktuation haben, während die wenig familienfreundlichen um 21% mehr hatten als der Durchschnitt.

4.) Familienfreundliche Betriebe sind professioneller

Gerade in der heutigen Zeit fordern individuelle Wünsche von Beschäftigten die HR-Abteilungen und Führungskräfte zunehmend. Bildungskarenz da, Pflegeteilzeit dort. Dazu kommen Sabbaticals, unbezahlte Urlaube und natürlich die ganz normalen Elternschaften. Mehr denn je sind Unternehmen gefordert, professionell mit Auszeiten und anderen Anliegen umzugehen. In der Arbeit rund um eine gute Vereinbarkeit ist daher das Professionalisieren von Prozessen und das Durchleuchten von Abläufen und Gegebenheiten ein wichtiger Bestandteil. Keine leichte Aufgabe, aber eine Lohnende, zumal gerade beim Thema Auszeiten vielfach Unzufriedenheit bei allen Beteiligten herrscht. Sich damit strukturiert auseinanderzusetzen, macht aber Sinn. So haben etwa familienfreundliche Betriebe um 9% kürzere Elternkarenzdauern als der Durchschnitt.

Wie sollen wir es angehen?

Wenn Sie diese Gründe (und es gibt noch viele mehr) angesprochen haben, dann an die Arbeit! Wesentlich ist eine gute Analyse der Gegebenheiten, der Rahmenbedingungen und der Anliegen und Wünsche der Beschäftigten und Führungskräfte. Ausgehend davon lässt sich dann leicht ein Maßnahmenplan erstellen. Fragt man Beschäftigte, welche Themen ihnen am Wichtigsten sind, dann bekommt man (bei einer Befragung erhoben) folgende Antworten:

1.) Flexible Arbeitszeiten (das bedeutet vor allem möglichst autonom gestaltbare Arbeitszeiten)

2.) Verständnis Führungskräfte /Arbeitgeber (ein Schlüssel für eine gute Vereinbarkeit!)

3.) Punktuelle Kinderbetreuung (an Fenstertagen oder in den Ferien – hier gibt es bereits zahlreiche gute Anbieter)

4.) Wechsel Vollzeit – Teilzeit und umgekehrt (also Lebensphasenorientierung)

Beim HR Inside Summit verrate ich Ihnen, was meine Kunden und Kundinnen so alles tun, um familienfreundlich zu sein und wie Sie Familienfreundlichkeit im Unternehmen leben können.

 

Über den Autor:

Peter Rieder ist Unternehmensberater mit Schwerpunkten im Bereich Vereinbarkeit von Beruf und Familie und Diversity Management. Er begleitet zahlreiche Betriebe und Hochschulen im Audit berufundfamilie bzw. Audit hochschuleundfamilie sowie in unterschiedlichen Projekten zum Thema Auszeitenmanagement, Arbeitszeiten, Home Office sowie als Trainer für Führungskräfte in diesen Bereichen. Er ist Autor des Buches „Familienfreundlichkeit im Betrieb“ (erschienen 2014 im MANZ Verlag) und Erfinder der Diversity Auszeichnung „ZukunftVIELFALT“. www.arbeitswelten.at

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