Interkulturelle Teams  – Fluch oder Segen?
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Interkulturelle Teams  – Fluch oder Segen?

Karin Schreiner ist Fachbuchautorin, Intercultural Know-How Expertin und hat viel Erfahrung mit multikulturellen Teams im Ausland sammeln können. Diese Erfahrung hat Sie in einer Session auf dem HR Inside Summit 20017 mit uns geteilt.

Der Session Saal ist voll, das Interesse am Thema dürfte groß sein.

Sie stellt uns die Frage, ob in den Unternehmen in denen wir beschäftigt sind, kulturelle Vielfalt herrscht?

Die Personen aus dem Plenum melden sich nicht zahlreich, es lässt fast vermuten es sei peinlich zuzugeben, dass kaum oder keine kulturelle Vielfalt im eigenen Unternehmen herrscht. Die Wortmeldungen beschränkten sich auf: Mehr Männer als Frauen seien beschäftigt, und in den oberen Chefetagen seien meist Männer aus Österreich. Nur ein paar Personen die in international tätigen Unternehmen beschäftigt sind, melden sich zu Wort. Sie meinen es gäbe viele verschiedene Kulturen im Unternehmen, die mehr oder weniger gut zusammenarbeiten.

Wissenschaft und Medizin –  kulturelle Vielfalt ein Muss

Frau Schreiner erzählt darüber, dass es in der Wissenschaft und in der Medizin sehr wichtig ist international zu publizieren und vernetzt zu sein. Gutes Englisch ist Voraussetzung und Mobilität ins Ausland oft der einzige Weg um einen Karriereschritt zu machen. In diesen Branchen wird Internationalität als modern, State-of-the-Art und notwendig empfunden, um auch auf dem neuesten Stand zu sein.

Nationale Unternehmen sehen keine Notwendigkeit

In Unternehmen, die eher national tätig sind, wird keine oder nur wenig Notwendigkeit gesehen andere Kulturen ins Unternehmen zu holen. Die größte Hemmschwelle ist dabei die Sprache, denn Teams mit verschiedenen Kulturen müssen sich meist auf eine gemeinsam Sprach einigen, meistens wird deutsch für jeden der ins Team kommt vorausgesetzte, wenn das nicht der Fall ist wird Englisch als zu mühselig empfunden.

Auch das soziale Verhalten innerhalb der Teams ist von kultureller Vielfalt geprägt, was als belastend empfunden wird. Kulturen müssen gegenseitig erfasst und verstanden werden, um die Vielfalt in den Teams zu nutzen.

Frau Schreiner fragt das Plenum welche Mechanismen bzw. Strategien zur Inklusion von anderen Kulturen es in ihrem Unternehmen gibt?

TeilnehmerInnen aus dem Plenum erzählen von erfolgreichen Mentoringprogrammen und Patenschaftsprogrammen die Neuankömmlinge mit informellen Informationen über die unterschiedlichen Kulturen versorgen. Sprachliche Barrieren werden mit freiwilligen Englisch Kursen für bestehende MitarbeiterInnen und guten Englisch Kenntnissen bei Neueintritt abgefedert.

90% KMUs in Österreich

Frau Schreiner meint auch, dass es wichtig ist auch die Betriebslandschaft in Österreich mitzudenken, in Österreich gibt es mehr als 90% Klein- und Mittelunternehmen. Laut WKO sind das Unternehmen bis 249 MitarbeiterInnen. Österreich ist dadurch von kleineren Strukturen geprägt.

Was bringt mehr Vielfalt im Unternehmen?

Je bunter das Team desto einfach kann man sich auch auf eine Sprache einigen. Befragungen haben gezeigt, dass Unternehmen mit kultureller Vielfalt in ihrer Belegschaft, kreativ und innovativ arbeiten können und generell offener für Anderes sind. Jede MitarbeiterIn aus einer anderen Kultur bringt wertvolles Arbeitswissen und andere Arten zu Arbeiten mit, von dem Andere lernen können. Konkurrenz-  und wettbewerbsfähige Unternehmen sollten lernende Organisationen sein, mit kultureller Vielfalt im Unternehmen fällt das Lernen noch etwas leichter, denn es muss nicht aktiv initiiert werden, sondern passiert in den multikulturellen Teams nebenbei. Außerdem ist sprachliche Vielfalt auch ein großer Mehrwert für Kunden mit unterschiedlichen Sprachen.

Vom Defizit-Denken zum Lösungs- und Ressourcen orientiertem Handeln:

Führungskräfte haben eine Schlüsselfunktion im Unternehmen wie mit kultureller Vielfalt umgegangen wird. Vorurteile und Stereotypen können durch die Führungskraft abgeschwächt oder gar entkräftet werden. Führungskräfte müssen interkulturelle Sensibilität vorleben und allen Beteiligten mit offener Kommunikation gegenüber treten.

Der Aufbau von kulturellem Bewusstsein im Unternehmen hat mit viel Kommunikation und Austausch zutun. Die MitarbeiterInnen sind angehalten Probleme sofort anzusprechen um Missverständnissen die auf kulturellen Unterschiedlichkeiten beruhen sofort aus dem Weg zu gehen.

Informationen über Konflikte sollten informell geteilt werden, damit keine Gerüchte entstehen. Buddy- oder Patenprogramme können dabei sehr hilfreich sein.

Kulturen Vielfalt – Fluch oder Segen?

Die Herausforderungen sind naturgemäß vorhanden, jedoch wenn man sie gegenüberstellt, überwiegen die positiven Aspekte bei Weitem. Der Schritt auch andere Kulturen in ein Unternehmen aufzunehmen und diese MitarbeiterInnen auch gleichwertig zu behandeln, ist leichter als gedacht und Barrieren sollten nicht zu ernst genommen werden. Ausprobieren und sich an bestimmte Regeln halten, dann ist der Mehrwert sehr schnell spürbar.

Über den Autor

Stefanie Hesse studierte an der Universität Wien Soziologie und beschäftigte sich schon im Studium unter anderem mit den Themen Gesundheitssoziologie & Arbeitssoziologie. In ihrer Diplomarbeit befasste Sie sich mit den Auswirkungen des Führungsverhaltens auf die Gesundheit der MitarbeiterInnen.

Stefanie Hesse

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