Von falschen Hirschen und echten Blendern 
Allgemein

Von falschen Hirschen und echten Blendern 

Warum tragen männliche Pfaue so große Schwanzfedern und Hirsche so große Geweihe, wo die doch beim Fliegen und Flüchten immens hinderlich sind? 

Die Antwort darauf kam von den israelischen Biologen Amotz und Avishag Zahavi: Wer es schafft, für spezielle Signale so viel Energie und Ressourcen aufzuwenden und trotzdem gegenüber anderen zu bestehen, der hat den maximalen Status innerhalb seiner Gruppe inne. Signale, die eine so große Menge an Ressourcen verschlingen, könnten nicht gefälscht werden. In der restlichen Tierwelt stimmt dies sicherlich, bei uns Menschen bin ich mir als Verhaltensbeobachter nicht so sicher. Warum? 

Von Blendern und Könnern 

Es sind die Blender, die es immer wieder schaffen, durch geschickten Einsatz von „Handicap-Signalen bei Bewerbungsgesprächen zu beeindrucken, sich so eine „not appropriate“-Position zu erhaschen – und nach drei für das Unternehmen teuren Jahren sich ein neues Arbeitgeberopfer zu finden.

Nach über 15 Jahren Medientrainings und Kommunikationsberatung habe ich für diese Herren einen gewissen Riecher entwickelt: Beste Anzüge, sportliche Erscheinung, gut gebräunt, perfektes Gebiss und sehr, sehr entspannt. Das kommt meist von den exklusiven Hobbies und Freizeitaktivitäten an ganz speziellen Orten. „Waren Sie schon einmal bei der Olivenernte in Istrien …?“ Dazu beste Manieren, denn eine gute Erziehung ist zeitaufwändig, erfordert viel elterliches Investment und kostet mitunter viel Geld, freundliche Zurückhaltung, immer wieder ein wenig Namedropping und hart am Bullshit Bingo … überall mitreden können  – einfach ein sympathischer Auftritt, der, und da liegt die Crux, Kompetenz vermuten lässt.

Weiters augenscheinlich ist deren Umgang mit Zeit. Denn wer ohne sich anzupatzen einen Hummer zerlegen kann, wer ein niedriges Golfhandicap vorweist, wer zu jedem Wein die besseren Jahrgänge kennt, wer im Gespräch immer wieder fallen lässt, dass er in den letzten fünf Monaten in den zehn wichtigsten Metropolen der Welt unterwegs war, tja, der hat offensichtlich viel Zeit. Zeit, die er nicht mit hartem Broterwerb verbringen muss. Er kann es sich leisten. 

Die Signale des Vergeudens und des Verschwendens haben einen simplen Zweck: Sie sollen auf verborgene Qualitäten hinweisen – einen Imagetransfer vom Schein hin zum Sein bahnen. Denn die meisten menschlichen Qualitäten sind von außen nicht zu erkennen, so auch berufliche Kompetenzen nicht.  Signale des Vergeudens und Verschwendens erzeugen in erster Linie Aufmerksamkeit („Hui!“) und in zweiter Linie Glauben an verborgene Qualitäten. So nach dem Motto „Wer so auftritt, muss was können …“ 

So ehrlich die Handicap-Signale bei den restlichen Tieren sind, so einfach sind sie bei uns vorzugaukeln.

Doch es gibt auch echte Signale in unserer beruflichen Welt!

Und da sind wir wieder bei den Statushöchsten – sie zeigen, dass sie es sich bereits leisten können, auf das  Angeben zu verzichten. Statussymbole haben sie nicht mehr notwendig. Auf die Frage, ob ihnen denn Macht wichtig wäre, kommen Antworten wie: „was bedeutet schon Macht …“. Das kennt man auch von wirklich reichen Menschen, wenn man sie zur Bedeutung von Geld fragt. 

Nicht mehr das Protzen und Klotzen mit Statussymbolen, sondern der bewusste Verzicht darauf wird zum Botschafter des Darüberstehens. Die Blender und Wichtigtuer kämpfen noch auf der Karriereleiter, der wirklich Erfolgreiche hat dies längst hinter sich – und zeigt das auch deutlich. 

Über den Autor:

Gregor Fauma – Verhaltensbiologe, Keynote Speaker, Trainer, Coach – Er analysiert das Verhalten der Menschen und wurde zum „Trainer des Jahres 2018“ gewählt. Der Verhaltensforscher (Universität Wien und Rom) trainiert seit bald 20 Jahren Führungskräfte und SpitzenrepräsentantInnen der Republik als Präsentations-, Rede- und Medientrainer.

Darüber hinaus überzeugt er als mehrfach ausgezeichneter Keynotespeaker auch bei der HR Inside Summit Summer Edition die Menschen davon, dass sie auch nur dieselben Affen sind. 

 

Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.