Jobsharing Modell in Krisenzeiten: Im Tandem durch die Krise
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Jobsharing Modell in Krisenzeiten: Im Tandem durch die Krise

Wie bewährt sich das Arbeitsmodell während der Corona-Pandemie?

Corona hat für viele von uns das (Arbeits)-Leben auf den Kopf gestellt. In die Distanz gezwungen, waren plötzlich Arbeitsformen möglich, die vorher als unmöglich galten. Und auch in den Medien der Gesellschaft und Unternehmen wird nun deutlich lauter über neue Formen der Arbeit diskutiert. Was kann die Erwerbsarbeit krisenfester machen? Wie lassen sich Privatleben und Karriere miteinander vereinbaren? Wie können wir digital oder hybrid zusammenarbeiten? Welche Modelle bewähren sich auch in Krisenzeiten?

Gemeinsam mit dem Wissenschaftszentrum für Sozialforschung (WZB) haben wir von „the jobsharing hub das Jobsharing Modell unter Krisenbedingungen genauer unter die wissenschaftliche Lupe genommen. Im Jobsharing Modell übernehmen zwei Menschen die gemeinsame Verantwortung für eine Stelle, in den meisten Fällen handelt es sich dabei um Führungspositionen. Im Tandem können verantwortungsvolle Positionen in enger Kollaboration auch in reduzierter Arbeitszeit gestemmt werden. Mitten in den Turbulenzen des ersten Lockdowns 2020 haben wir 55 Jobsharer intensiv zu ihrem Arbeitsmodell befragt. Folgende Ergebnisse stechen besonders hervor:

  1. Jobsharing hilft in schwierigen Entscheidungssituationen: 87 Prozent der Befragten berichteten, dass die Arbeit im Jobsharing die Bewältigung der neuen Komplexität und Unsicherheit während der Corona-Krise „viel leichter“ oder „eher leichter“ gemacht habe.
  2. Jobsharer*innen fühlten sich in der Corona-Krise besser gewappnet: Für 72 Prozent der Befragten „trifft es vollkommen“ oder „eher zu“, dass sie durch das Jobsharing ihre Fähigkeiten wie Kommunikation, Arbeitsorganisation und Umgang mit Flexibilitätsanforderungen steigern konnten und diese Fähigkeiten ihnen nun helfen, die neue Arbeitssituation im Lockdown besser zu managen.
  3. Das Arbeitsaufkommen während der Pandemie wurde besser bewältigt: 76 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Jobsharing bei der Bewältigung der gestiegenen Aufgabenfülle und Arbeitsbelastung während der Corona-Krise helfe.
  4. Arbeit im Tandem verbessert den Kontakt im Team: Fast die Hälfte der Befragten gibt an, dass Jobsharing die Kommunikation mit Kolleg*innen, Mitarbeiter*innen und Vorgesetzten erleichtert habe.
  5. Jobsharing erweist sich als Stütze für das Familienleben: Fast alle befragten Führungskräfte haben Kinder. Das Jobsharing ermöglichte es, die Arbeitstage abzudecken und zugleich mehr Zeit für die Betreuung von Kindern zur Verfügung zu haben. Das sehen 64 Prozent der Befragten so.

Jobsharing erlaubt es also, kurzfristig die Arbeitsaufteilung anzupassen, die eigenen Arbeitszeiten zu variieren und zugleich als Tandem den Arbeitsanforderungen auch unter Krisenbedingungen weiterhin gerecht zu werden. Doch der Mehrwert des Jobsharing liegt nicht nur in der Flexibilität der Arbeitszeitmodelle und der Verbesserung der Work-Life-Balance. Die Besetzung von anspruchsvollen und komplexen Positionen im Jobsharing schärft die Arbeitsqualität, insbesondere bei Turbulenzen und Unsicherheiten wie in der COVID-19-Krise. Das ist ein entscheidender strategischer Vorteil für Unternehmen.

Infokasten

Alle befragten Jobsharer*innen haben schon vor der Krise im Tandem gearbeitet. Ihre Arbeitszeit beträgt 20 bis 30 Wochenstunden. Unter den Befragten sind 48 Frauen (96%) und zwei Männer (4%) – 5 haben ihr Geschlecht nicht angegeben, so dass sich die Angaben auf die restlichen 50 Personen beziehen. 28% arbeiten in einer Fachfunktion (ohne Personalverantwortung), 40% als Teamleiter*innen, 24% als Abteilungsleiter*innen und 8% sind Bereichsleiter*innen. Bei drei Viertel der Befragten handelt es sich um Führungskräfte mit Fachfunktionen, bei einem Viertel um Experten und Fachpositionen. Unter den Führungskräften dominierte das Modell einer starken Überschneidung der Verantwortungsbereiche zwischen den Jobsharer*innen.

Die Studie: Martin Krzywdzinski, Svenja Christen: „Im Tandem durch die Krise: Arbeit während der COVID-19-Pandemie“ ist als Discussion Paper (SP III 2020–303) erschienen. https://bibliothek.wzb.eu/pdf/2020/iii20-303.pdf

 

Sie möchten sich näher zum Jobsharing Modell informieren? Dann melden Sie sich bei uns!

info@jobsharing-hub.com

 

Autorin

Svenja Christen ist Co-Geschäftsführerin vom Start-up “the jobsharing hub”, einer spezialisierten Beratung rund um das Thema Jobsharing. Die Arbeitspsychologin hat lange Zeit im Corporate Umfeld gearbeitet- davon selbst 2 Jahre im Jobsharing Modell. Begeistert von den Möglichkeiten des Arbeitsmodells gründete Sie 2017 gemeinsam mit Yannic Franken ihr eigenes Unternehmen. Seitdem unterstützt Sie Unternehmen bei der strategischen Einführung des Jobsharing Modells, und coached mit Ihrem Team aus Coaches (allesamt aktive Jobsharer) startende Tandems und ihr Umfeld. Aus ihrer Feder stammen etablierte digitale Lösungen, wie der Tandembility Test® oder das 360° Evaluationstool für Tandempiloten. Doch auch die Forschung liegt ihr am Herzen. Gemeinsam mit dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung veröffentlichte Svenja Christen die bislang tiefste und umfangreichste Studie zum Thema Jobsharing. Die Ergebnisse trugen viel zum aktuellen Aufschwung des Modells bei und zeigen: Es lohnt sich, für Mensch und Unternehmen!

 

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