Irrtum „digitale Zukunft“ – wenn der Algorithmus die Kommunikation bestimmt
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Irrtum „digitale Zukunft“ – wenn der Algorithmus die Kommunikation bestimmt

Dieser Titel klingt ein wenig aus der Zeit gefallen. Denn die Gegenseite der Digitalisierung scheint altmodisch, langsam, verstaubt und unattraktiv. Dagegen zahlen Vernetzung, Geschwindigkeit und künstliche Intelligenzen auf das Betriebsergebnis ein. Doch je schneller die Welt, desto flacher die Gedanken. Beziehungen verkommen zu oberflächlichem Geplänkel und für einen langwierigen Selbsterfahrungsprozess ist wenig Platz im Unternehmensalltag. Für die Gestaltung der Zukunft braucht es vor der digitalen Kompetenz aber immer noch die soziale und kommunikative Kompetenz, um Zuversicht und eine Kultur des WIR im Unternehmen zu schaffen.

Irrtum 1 – KI statt Kommunikation

Wer digital vorne dabei sein will, fragt nicht nach Preis oder gesellschaftlichen und psychologischen Auswirkungen. Die aktuellen Trends besitzen enorme Innovationskraft und sind daher höchst attraktiv. Der Satz „bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt“ verkommt dabei vielfach zu einer hohlen Phrase. Je schneller die Welt sich dreht, desto oberflächlicher scheinen die Beziehungen zu Mitarbeitern zu werden. Die Bereitschaft für konstruktive Diskussionen, Zeit für Empathie oder soziale Nähe zu Kollegen fällt immer mehr zum Opfer digitaler Lösungen. Den konstruktiven Streit verlernen wir offensichtlich und reagieren in Konflikten zusehends unreflektiert und martialisch. Wer seine Gedanken nicht mehr artikulieren kann, wird im Konfliktfall immer zuschnappen wie ein Straßenköter. Dabei hätten gut ausgetragene Konflikte enormes Entwicklungspotential für Persönlichkeiten und Unternehmen.

„Für das Führen guter Gespräche, gibt es aber keinen Download-Button.“

Wir erleben im Kommunikationszeitalter paradoxerweise den Verlust der Fähigkeit zu zwischenmenschlicher Kommunikation. Das gilt es aufzuholen, um das WIR-Gefühl und damit Zuversicht für die Zukunft wieder zu fördern.

Irrtum 2 – Hör´ auf die Tech-Nerds

Die Digitalisierung soll keineswegs zum Feindbild erkoren werden. Zu schön ist die vernetzte Welt, die vieles vereinfacht und ermöglicht hat. Interkultureller Austausch, automatisierte Prozesse, vereinfachte Dienstleistungen – doch die Verehrung kommt den falschen zu Gute. Viel zu sehr bestimmen die Technik-Nerds des Silicon Valley, wohin die Reise in Unternehmen gehen soll.

“Die Zukunft wird geprägt von den Motiven hinter einem Algorithmus!”

Viel zu oft ohne jeden Gedanken darauf zu verschwenden, welche Fehlentwicklungen sich dadurch für das soziokulturelle Umfeld eines Unternehmens ergeben. Die Zukunft lässt sich mit starken Worten formen. Achten wir ein wenig genauer darauf aus welchem Mund sie kommen.

Irrtum 3 – Geschwindigkeit ist alles

Künstliche Intelligenzen bieten die Chance das eigenständige Denken der Mitarbeiter auszulagern und damit schneller zu werden. Stimmt. Ein bequemer Irrglaube. Die Abkehr vom eigenverantwortlichen Nachdenken birgt viel eher die Gefahr noch langsamer zu werden. Werden Denkprozesse vereinfacht, gehen Spontanität, Intuition und Ideen verloren. Die Wiederentdeckung der Langsamkeit hingegen kann uns wieder auf diese wertvollen Fähigkeiten zurückbringen. Sie bringen Tiefgang und Substanz in Gespräche und bauen Beziehungen auf, die auch diesen Namen verdienen. Soziale Fähigkeiten lassen sich eben nicht automatisieren und beschleunigen.

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Über den Autor

IrrtumJürgen Eisserer ist Autor, Wirtschaftspsychologe und Experte für zwischenmenschliche Kommunikation. 2021 wurde er zu Österreichs „Trainer des Jahres“ ernannt mit seinem Konzept „Bildung mit Herz“. Er begleitet Persönlichkeiten und Unternehmen in der kommunikativen und rhetorischen Entwicklung. Mit seinen Vorträgen zu Leadership und Kommunikation möchte er Lust auf die digitale UND analoge Zukunft machen.

 

 


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