„Schaut’s, dass weg kommt’s von Zeitfressern, die keinen Mehrwert bringen.“ – Markus Christl
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„Schaut’s, dass weg kommt’s von Zeitfressern, die keinen Mehrwert bringen.“ – Markus Christl

ein Interview mit Mag. Markus Christl, ein Member des Advisory Boards des HR Inside Summits 2022

Was sind deine wichtigsten HR Learnings der letzten Jahre?

Wir haben als Unternehmen festgestellt, dass HR-Themen in einer deutlich höheren Geschwindigkeit umgesetzt werden, wenn die Situationen es verlangt, wie es in der Pandemie der Fall war.

Beispiele für wichtige HR-Learnings sind die klassischen Themen wie Home-Office, New Work und etc. Hätte es die Pandemie nicht gegeben, dann hätten wir noch Jahre gebraucht, um mit sozialen Partnerschaften die richtigen Wege, Lösungen und vor allem das Mittelmaß zu finden. Der exogene Zwang durch die Pandemie verlange rasche Lösungsansätze und man fand sich in einer agilen und alternativen Vorgehensweise wie Konzept des Home-Office wieder. Man musste sich sukzessive an das Thema herantasten, Methoden und Möglichkeiten ausprobieren, um schlussendlich zu einem guten Ergebnis zu kommen.

Ein anderes HR Learning der letzten Jahre war wiederum das Thema Führung und Führungsverhalten. Die Pandemie hat mir gezeigt, dass das Thema Führung eines der zentralsten Themen des HR ist bzw. sein sollte. Dort, wo die Führung funktioniert und es auch ein zentrales Thema war, hat auch die Umstellung zu alternativen Arbeitsweisen und die Umstrukturierungen der Führungspositionen und deutlicher besser funktioniert als bei Unternehmen, die nicht optimal aufgestellt waren. Die, die schon Probleme hatten, zeigten auch während der Pandemie Defizite auf.

Welche HR-Themen werden dich bzw. dein Unternehmen in den nächsten Jahren besonders beschäftigen?

Das eine Thema ist die Retention. Wir haben einerseits den Nachteil, dass wir in einer Branche tätig sind, die momentan nicht zu den Attraktivsten gehört und weiters sind wir sehr krisengeschützt und werden von der Regierung unterstützt. Fast keine Branche war von der Pandemie so betroffen wie die Luftfahrt. Mit der Ukraine Krise wurde uns noch eins draufgesetzt. Nach 2 Jahren Kurzarbeit verlängern wir noch mal um 1,5 – 2,5 Jahren je nach Vertrag und dabei handelt es sich auch um ein Gehaltsverzicht von bis zu 15%. Hier stellt sich dann natürlich auch die Frage, wieso unsere MitarbeiterInnen bei solchen Rahmenbedingungen bei uns bleiben sollen. Andere Unternehmen sind nicht so sehr von der Krise betroffen und zahlen deutlich mehr. Retention ist also in unserer Spate ein großes Thema.

Das zweite Thema ist Digitalisierung. Wir sind jetzt im Zeitalter der Digitalisierung angekommen, auch im HR-Bereich. Wie können wir unsere Abläufe, ganze Strukturen und Prozesse digitalisieren und weiters Ressourcen sparen und die Grundbedürfnisse befriedigen? Das alles in Einklang zu bringen ist sehr herausfordernd. Mein Ziel am Ende des Tages ist es, alles, was wir in HR an Services anbieten können, in einer App abrufen zu können. KundInnen sowie MitarbeiterInnen sollen alles digital über Apps herunterladen können. Das sind meine Ziele zur Digitalisierung.

Auf Grund der Pandemie und dem Home Office ist auch die Rückkehr aus dem Home Office ein großes Thema. Wir merken, dass sich MitarbeiterInnen an das Home-Office gewöhnt haben und es mittlerweile dem Büro vorziehen. Beides hat eine Richtigkeit. Nun ist es von Bedeutung, eine Balance zu finden.

Wir schreiben unseren MitarbeiterInnen keine Quoten für das Anwesendsein vor, wir lassen jedes Team selbst festlegen, wer wie oft im Büro ist. Natürlich kommunizieren wir, dass das Arbeiten im Büro und soziale Kontakt sehr wichtig sind für das Team und die Unternehmenskultur.

Ein weiteres Thema ist das Recruiting von Engpassprofilen. Es fällt uns momentan schwer, Leute aus der IT an Land zu ziehen, da geht es uns so wie fast jedem Unternehmen. Und wenn man dann nicht das höchste Gehalt zahlt, tut man sich doppelt schwer.

Was willst du zukünftigen HR-Managern und Mitarbeitern mitgeben?

Legt den Fokus auf die MitarbeiterInnen und das Thema Führung. Das Thema, woran wir als HR arbeiten müssen ist, ist, den absoluten Fokus auf unsere KollegInnen, MitarbeiterInnen und auf unsere Kultur zu legen. Wir müssen weg von dem administrativen bürokratischen Käse, den wir alle tagtäglich Stunde um Stunde abhandeln. Es kann nicht sein, dass wir Stunden damit verbringen, Versetzungen und Dienstzeugnisse auszustellen. Wir sollen unsere Kraft auf wertschätzende Tätigkeiten legen. Als HR im Unternehmen sollten wir einen Mehrwert produzieren und alles andere können wir weglassen.

Der Fokus liegt also auf den MitarbeiterInnen und der Kultur, die wir im Unternehmen haben. Hier sollten unsere Ressourcen liegen und hier sollten wir weiterkommen.

Aus meiner Sicht gibt es kaum etwas wichtiges als Führung. Dies würde ich zukünftigen HR-Managern und Mitarbeitern mitgeben: „Schauts, dass weg kommts von Zeitfressern, die keinen Mehrwert bringen.“

Was macht dir an deinem Job am meisten Spaß?

Am meisten Spaß macht es mir, mit Menschen und MitarbeiterInnen zu arbeiten, sich mit ihnen zu beschäftigen und auch natürlich das Mitgestalten im Unternehmen. Gerade bei HR hat man großen Gestaltungsfreiraum. Es hat einen sehr starken Reiz, dass man Dinge bewegen und beeinflussen kann. Gerade in der Zusammenarbeit mit Menschen und MitarbeiterInnen ist es etwas, was mir besonders Spaß macht.

Welche Themen sind es, die du auch mitgestalten kannst und auch schon beeinflusst hast?

Es sind große Themen, weil man als HR-Leiter natürlich in vielen Gremien sitzt. Ma hat Gehör und besitzt ein Stimmrecht für Projekte, welche nicht unbedingt der HR zuzuordnen sind. Wir haben es geschafft, ein einzigartiges Arbeitsklima für die MitarbeiterInnen zu schaffen, dass fast kein Unternehmen in Österreich hat. Wir geben MitarbeiterInnen die Möglichkeit, zu arbeiten wann und wie sie wollen. Für MitarbeiterInnen ist es dadurch möglich, jeden Tag frei zu gestalten und beispielsweise am Vormittag Schifahren zu gehen und am Nachmittag zu arbeiten. Es ist auch möglich, am Wochenende zu arbeiten, wenn es vom Mitarbeiter gewünscht ist.

Es gibt eben Themen und Arbeitspakete, für die man nicht extra in das Büro fahren muss und die man ganz einfach alleine von zu Hause bearbeiten kann, wie zum Beispiel die Lohnabrechnung. Hier ist es nur wichtig, dass der Task bis zu einem gewissen Zeitpunkt beendet ist und das Ergebnis passt. Nicht, wo oder wann diese Arbeit gemacht worden ist.

Wenn man bei diesen Projekten und Initiativen dabei ist und ein Mitspracherecht hat, macht das schon sehr viel Spaß und Freude. Es geht um genau solche innovativen Ideen, die uns weiterbringen werden. Manche Unternehmen schränken ihre Mitarbeiter in ihren Arbeitszeiten wegen Überstunden und zusätzliche Zahlungen ein, jedoch streben Mitarbeiter immer mehr nach flexiblen Arbeitszeiten und einer guten Work-Life Balance.

Wir sind nicht der attraktivste Markt, aber genau mit solchen Dingen schaffen wir es, eine gewisse Attraktivität aufzubauen und am Ende zu überzeugen.

Was macht den HR Inside Summit so besonders?

Ich konnte leider erst einmal teilnehmen, aber es sind die Menschen und TeilnehmerInnen, die den HR Inside Summit, der die Plattform für Austausch gibt, einfach einzigartig machen. Natürlich sind es auch die hochkarätigen Beiträge und Vorträge, die den Summit so attraktiv machen, jedoch sind die Teilnehmer das Herzstück. Am HR Inside Summit kommen HR Manager aus den größten Unternehmen zusammen, deshalb funktioniert dieser Event auch so gut. Das Programm, die Keynotes und Workshops, sind interessant und man lässt sich gerne inspirieren. Doch der Austausch mit den KollegInnen und ExpertInnen macht am meisten Spaß und ist für mich persönlich der Hauptgrund, warum ich den Summit besuche. Hier trifft man Personen, mit denen man nicht tagtäglich im Kontakt ist und man kann Themen ansprechen und Diskussionen anregen, für die man sonst eigentlich keine Plattform hat. Natürlich gibt es noch andere HR-Veranstaltungen, doch es spielt auch eine große Rolle, dass die Veranstaltung in Wien ist. Man muss nicht 2 Tage im Burgenland verbringen, um sich austauschen zu können. Der Standort in Wien spart Zeit und Ressourcen, die wir sowieso nicht haben.

Welche 3 Wünsche hast du für das Jahr 2022?

Ich wünsche mir das Ende der Pandemie, das Ende des Ukraine Krieges und endlich ein wirtschaftlicher Aufschwung in der Branche der Luftfahrt.

 

Markus Christl

Vice President Human Resources, Austrian Airlines

Markus Christl leitet seit März 2020 den HR Bereich der österreichischen Airline. Vom Zeitpunkt her genau richtig, um in der neuen Position die gesamte Corona-Krise mitzuerleben und mit managen zu dürfen. Markus Christl ist weder Jurist noch gelernter Personalist. In den 1990er Jahren hat er Handelswissenschaften an der WU Wien studiert. 1996 durfte er dann bei der Austrian „abheben“. In den 25 Jahren bei Austrian hat Markus Christl zahlreiche Managementpositionen übernehmen dürfen – sowohl in operativen als auch wirtschaftlichen Bereichen. So war er zB. von 2006-2010 für das operationelle Controlling zuständig bzw. leitete er die weltweite Bodenabfertigung der Austrian von 2012-2020. In seiner neuen Funktion fühlt er sich mehr als wohl! Den Menschen in den Mittelpunkt des täglichen Geschehens stellen zu können ist ihm ein großes Anliegen. Die Arbeit mit und für die Mitarbeiter der Austrian ist für ihn etwas ganz besonderes. Und wenn er nicht gerade arbeitet, kümmert er sich gemeinsam mit seiner Frau um die 5 Kinder.

 

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